Die wahre Natur der französisch-saudischen Beziehung
Hedy Belhassines Talent liegt in dieser Kehrtwende: von einer Klatschmeldung auszugehen — ein Manga-Themenpark im Pariser Umland — um sich, auf dem Umweg über die Geschichte, zu einer weitaus gewichtigeren Frage vorzuarbeiten: der wahren Natur der französisch-saudischen Beziehung, und dem, was sie zu verbergen dient.

Das rhetorische Verfahren ist geschickt. Indem er die Geschichte des Gaith Pharaon ausgräbt — jenes saudischen Finanziers, der in den 1970er Jahren ein angeschlagenes französisches Unternehmen für industrialisiertes Bauen übernahm (direkter Erbe der beschleunigten Bauanstrengung an der Universität Vincennes nach dem Mai ’68), es sodann seiner Substanz beraubte, auf jeder Ebene Provisionen abschöpfte und auf den Trümmern schließlich einen zum Scheitern verurteilten Vergnügungspark errichtete —, begnügt sich Belhassine nicht mit einer pittoresken Anekdote. Er wirft eine grundlegende, fast juristische Frage auf: Wem gehört das 55 Hektar große Grundstück heute? Den Pharaon-Erben, über Treuhandstrukturen, oder tatsächlich dem belgischen Anwalt, der offiziell als Eigentümer geführt wird? Die Antwort werden wir wohl nie erfahren — und genau das ist vielleicht der Kern der Sache.

Das Herzstück der Beweisführung liegt jedoch in dem Kontrast, den er zwischen dem Rauchvorhang (dem Park, AlUla, der Kommunikationsstrategie) und den eigentlichen Interessen zeichnet, die von den offiziellen Mitteilungen sorgfältig verschwiegen wurden: die Neuordnung der regionalen Bündnisse (Ankara-Islamabad-Riad), die innere Fragilität des saudischen Regimes gegenüber seinen Nachbarn, die Spannungen mit den Emiraten. Es handelt sich, letztlich, um Fragen von Sicherheit und Souveränität.

Die abschließende Volte — die Vermutung, das eigentliche strategische Interesse der Beziehung zwischen Macron und MBS könnte in einer saudischen Finanzierung des Plans Prometheus liegen, statt in einem Manga-Freizeitpark — ist zweifellos spekulativ, und der Autor selbst räumt dies halb ein („gestatten wir uns zu träumen“). Doch die Parallele zur Finanzierung des Eurodif-Kernkraftprogramms durch den Schah von Iran 1974 ist nicht willkürlich gewählt: Sie erinnert daran, dass Frankreich bereits in der Vergangenheit auf ausländische Finanzierung für eine als lebenswichtig erachtete strategische Infrastruktur gesetzt hat — eine Wette, die, wie Belhassine mit meisterhafter Untertreibung anmerkt, „bekanntlich schlecht endete“.