Die Hormus-Trilogie oder das Scheitern der amerikanischen maritimen Hybris
Mit diesem dritten Teil vollendet Vizeadmiral Christian Girard eine unerbittliche strategische Trilogie über die Krise in der Straße von Hormus und bestätigt Punkt für Punkt die in seinen früheren Analysen gestellten Diagnosen. Im vergangenen April demonstrierte er im ersten Teil über das Gespenst einer Blockade mit der Präzision eines Seemanns, dass die Herausforderung weniger physischer als vielmehr psychologischer und deklaratorischer Natur war: Dem Iran gelang es, die Weltwirtschaft allein durch den „Ankündigungseffekt“ als Geisel zu nehmen. Im Mai führte der Admiral in seinem Memorandum „Muss der Soldat Trump gerettet werden? (2)“ die operative Kritik weiter aus und prangerte die Sackgasse des rein technologischen Ansatzes und der US-Hybris an: Die Illusion, eine rein luft- und seegestützte Streitmacht könne das Festland kontrollieren, ohne eigene Bodentruppen einzusetzen („boots on the ground“), während der Iran den Konflikt geschickt auf die Küstenlinien und die Infrastruktur seiner Nachbarn verlagerte.
Dieser dritte Teil besiegelt die endgültige Verschiebung des strategischen Schachbretts. Das eklatante Scheitern der US-Luftangriffstaktik – die ursprünglich auf das Regime und sein Atomprogramm abzielte – hat es Teheran ermöglicht, die Kontrolle über Hormus als Waffe der Massenvergeltung einzusetzen.
Angesichts des flüchtigen Charakters des in Versailles gefeierten diplomatischen Protokolls sieht dieser dritte Teil eine Neuausrichtung der US-Strategie auf die anfangs vernachlässigte, effektive militärische Kontrolle der Straße von Hormus vor – eine Aufgabe, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Für Europa bestätigt dieser Ausgang die gaullistische Warnung aus dem zweiten Teil der Saga: Angesichts des Versagens seines historischen Schutzherrn sind die Freiheit der Schifffahrt und das Seerecht in Washington nicht von der Stange zu kaufen. Die Europäische Union muss dringend ihren eigenen Kampfgeist („fighting spirit“) mobilisieren und eine eigenständige militärische Haltung einnehmen – nicht, um amerikanische Kalküle zu retten, sondern um ihre eigenen lebenswichtigen Interessen dort zu verteidigen, wo sich die Zukunft des Welthandels entscheidet.






