Die Dämmerung der „Verrückten“ und die Morgendämmerung der Raubtiere
Stellt man die kühle Analyse von Jérôme Denariez und diesen Bericht über die venezolanische Falle nebeneinander, drängt sich eine Schlussfolgerung auf: Das „Monopol des Verrückten“ hat das Lager gewechselt. Donald Trump hat nicht nur Wladimir Putin entwertet; er hat die diplomatische Software des 20. Jahrhunderts obsolet gemacht. Wir treten ein in die Ära des „unbekümmerten Raubbaus“, in der das Völkerrecht nur noch Hintergrundrauschen für Diplomaten mit Symposiumsbedarf ist und in der die Wirtschaft nicht mehr die Frucht des Friedens, sondern die Beute des Krieges ist.

Dieses „Nützliche Chaos“ offenbart eine tiefe Mutation: Unberechenbarkeit ist zur schweren Waffe des Westens geworden. Indem er Russland in eine assistierte Regionalmacht verwandelt und den venezolanischen Öltresor sichert, macht Trump nicht nur Immobiliengeschäfte. Er säubert seinen Rücken vor der wahren Konfrontation des Jahrhunderts: dem Duell mit China. Venezuela war nur der Appetizer; das Ziel ist, Peking mit einem niedrigen Ölpreis und einem neutralisierten Russland gegenüberzutreten.

Für Europa ist die Warnung existenziell. Wir sind zu lange auf dem Balkon geblieben, überzeugt, dass unsere juristische Höflichkeit ausreichte, um die Gewalt der Welt einzudämmen. Die „Donroe“-Doktrin besiegelt das Ende der Pause. Wenn Europa darauf beharrt, das Spiel zu kommentieren, anstatt mitzuspielen, wird es als Ball enden. Die Zeit der „Tea Time“ auf dem Vulkan ist vorbei; wir werden lernen müssen, auf Lava zu laufen.