Warum der Frieden diesmal hielt
Dem aufmerksamen Leser dieser Serie wird ein Muster aufgefallen sein, das sich seit dem ersten Teil beschleunigend wiederholt: vierundsechzig Jahre zwischen Jena und Sedan, dreiundvierzig Jahre zwischen Frankfurt und Sarajevo, einundzwanzig Jahre zwischen Versailles und Rethondes. Jeder Rachezyklus brauchte halb so lange zum Reifen wie der vorangegangene — bis die Katastrophe 1945 ihren absoluten Endpunkt erreichte.
Bemerkenswert am Jahrzehnt 1945-1955 ist, dass derselbe beschleunigende Mechanismus — Modernität, Dringlichkeit, Notwendigkeit — weiterhin wirkt, jedoch umgekehrt: Kaum fünf Jahre trennen die Kapitulation von der Schuman-Erklärung; ein Jahr trennt diese Erklärung von der EGKS. Dasselbe Bedürfnis nach Schnelligkeit, das anderthalb Jahrhunderte lang der Beschleunigung der Rache diente, dient nun dem Aufbau des Friedens. Doch war das Jahrzehnt keineswegs ein ruhiger Fluss: Das schmerzliche Scheitern der EVG 1954 erinnert daran, dass keine Aussöhnung jemals im Voraus gesichert ist und dass der europäische Föderalismus ein zweites Mal beinahe gestorben wäre, kaum vier Jahre nach seiner Geburt.






