Eine Unterscheidung drängt sich auf – sie ist sowohl intellektuell ehrlich als auch politisch notwendig. Israels Engagement gegen den Iran folgt nicht derselben Logik wie das der Vereinigten Staaten, und es wäre ebenso unzutreffend wie bequem, diese beiden zu verwechseln.

Israel lebt seit Jahrzehnten unter der ausdrücklichen Bedrohung durch ein Regime, das seine Vernichtung in seine Staatsdoktrin aufgenommen hat. Das ist keine rhetorische Floskel: Es ist eine Realität, die durch Zehntausende von Raketen der Hisbollah im Norden, iranische Drohnen über seinem Territorium und die Finanzierung der Hamas im Gazastreifen jeden Tag greifbar wird.
Die israelische Operation gegen die iranischen Nuklearanlagen im Juni 2025 kam nicht aus dem Nichts. Sie war das Ergebnis mehrjähriger Vorbereitungen – Geheimdienstarbeit, Sabotage, ein umfassender Krieg gegen die ballistischen Fähigkeiten des Iran, die methodische Ausschaltung der Befehlskette der Stellvertreter. Israel verfolgt zudem eine klare Doktrin, die seit Begin unverändert ist: Keine feindliche Macht in der Region darf Zugang zu Atomwaffen erhalten. Diese Linie wurde 1981 im Irak, 2007 in Syrien und 2025 im Iran durchgesetzt. Man kann über die völkerrechtliche Rechtmäßigkeit dieser Präventivschläge diskutieren – die Debatte ist legitim. Aber man kann nicht leugnen, dass sie Teil einer kohärenten Strategie sind, die von einer realen existenziellen Bedrohung getragen und mit der Strenge vorbereitet wurde, die das Überleben eines Staates erfordert.

Der amerikanische Krieg im Iran wurde von einem einzigen Mann beschlossen, ohne rechtliches Mandat, ohne ernsthafte Vorbereitung und ohne Rücksicht auf seine Verbündeten, der die weltweit führende Militärmacht in diesen Krieg verwickelte – und der sich anschickt, die Folgen anderen zu überlassen.

Manchmal braucht es etwas Abstand, um das Ausmaß einer Katastrophe zu ermessen. Drei Wochen nach Ausbruch des Krieges im Iran hat der Abstand nichts gemildert – er hat alles noch verstärkt. Was Donald Trump seit dem 28. Februar 2026 im Nahen Osten angerichtet hat, ist kein Fehleinschätzung, kein strategisches Wagnis, das schiefgelaufen ist. Es ist das vorhersehbare, im Voraus dokumentierte Ergebnis eines Mannes, der schon immer den Instinkt des Augenblicks der Strenge des Denkens vorgezogen hat – und der nun über die größte Militärmacht der Welt verfügt, um seinen Impulsen Ausdruck zu verleihen.

Sein Problem ist nun: Wie lässt sich ein Fiasko, ja sogar eine Katastrophe, als „Trump-Sieg“ tarnen? Bislang hat Donald Trump nur eine Lösung gefunden: einen Krieg fortzusetzen, auf der Suche nach dem geringsten taktischen Erfolg, um einen Sieg für sich zu beanspruchen, bevor er die Verbündeten und Partner der USA im Stich lässt. Einmal mehr!